(NEUE) MEDIEN– TRENDS UND INNOVATIONSPOTENTIALE

Aus White Paper Reihe von departure Wirtschaft, Kunst und Kultur GmbH, Juni 2011

Die wichtigsten Verbreitungsmedien für Musik sind heute immer noch die klassischen Medien wie Radio und Fernsehen der wichtigste Begriff dabei: das „Format“. 1995 konnte das erste österreichische Formatradio ,Antenne Steiermark, den damaligen Marktführer, Ö3, mit seinem Musikformat im Kampf um die Reichweite besiegen und veranlasste zugleich die Reform von Ö3 am Ende des Jahres1996 zum Formatradio seitdem ist das „Format“ unabdingbar in der österreichischen Rundfunk-Terminologie: genau definierte Zielgruppe, Musikfarbe und Aktualität der Musiktitel lassen schwer musikalische Innovationen ins Programm. Auch im Fernsehen dominieren musikalische Formate: Live-Shows, Musikfernsehen und Castingshows. Letztere sind seit dem letzten Jahrzehnt zum wichtigsten (Musik-)format im Fernsehen geworden. Nachdem Erfolg der ersten Reality-Castingshow,„Making the Band“, in den USA im Jahr 1999, begann der große Boom der Castingshows: zB. Deutschland: „Popstars“ (2000), Großbritannien: „PopIdol“ (2001, wurde 2004 durch „X factor“ ersetzt), Österreich: „Starmania“ (2002) und „Helden von Morgen“ (2010) die Castingshows sind beliebte Formate beiden ProgrammdirektorInnen, da sie eine hohe Quote, trotz relativ geringer Produktionskosten, erzielen können.

Das Innovationspotenzial für Musik im Radio und Fernsehen liegt aus diesem Grund in der Entwicklung der Formate das weltweit erfolgreichste Casting-Format ist „Idol“ (produziert von Fremantle Media, TV-Produktionstochter der RTL group). Es wurde zum ersten Mal als „Pop Idol“ im britischen Fernsehen im Oktober 2001 ausgestrahlt seitdem konnte das Format weltweit in 43 verschiedene Länder erfolgreich exportiert werden, wie zB „American Idol“ und „Deutschland sucht den Superstar“. Obwohl sich die Reality-Sendungen nur auf bekannte Musik konzentrieren, sind sie Treibkraft für lokale Talente ein gutes Beispiel aus Österreich ist Christina Stürmer. Sie errang 2003 den zweiten Platz bei „Starmania“ und wurde das Aushängeschild der neuen österreichischen Popmusik. Das Jahr 2004 zählt zu den bislang erfolgreichsten Jahren für heimische Produktionen. Christina Stürmers erstes Album, „Freier Fall“, erreichte dreifachen Platinstatus. Auch die KandidatInnen von „Helden von Morgen“ konnten bereits vor dem Ende der Sendung Verkaufserfolge erzielen. Lukas Plöchl war bereits einYouTube-Phänomen (mit seiner Band „Trackshittaz“), bevor er bei der ORF-Castingshow angetreten ist. Er konnte seinen Social Media Erfolg durch die mehr als drei Monate lang dauernde, österreichweite Primetime-Sendung und die dazugehörige Cross-Media-Promotion erweitern, zur breiten Masse gelangen und seine Tracks an der Spitze der Charts platzieren.

Im Vergleich zu den klassischen Medien sind Social Media der einfachere Weg für KünstlerInnen, ihre Musik an die Öffentlichkeit zu transportieren. Der Trend für Musik in den Social Media kann in fünf Richtungen gehen: (1) Musik-Player mit Empfehlungsfunktion, (2) Musik-Social-Network, (3) Media-Sharing-System,(4) Musikblog und (5) Social-Media-Bewertungssystem. Musik-Player im Internet funktionieren wie eine Art Radio, wo UserInnen den Inhalt des Programms selbst bestimmen können. Über eine eingebundene Empfehlungsfunktion können die NutzerInnen ähnliche oder neue Musik kennenlernen. Der Inhalt des Players kann aus einzelnen Tracks (zB. Grooveshark) oder DJ-Mixes (zB. Mixcloud) bestehen. Die Finanzierung der Musikservices basiert auf Abonnements und/oder Werbung (wie zB. Spotify). Ein erfolgreicher Musik-Player ist „Last.fm“, gegründet 2002 von einem österreichisch-deutschen Team. Wegen des Erfolges des Players wurden auch große Medienunternehmen auf Last.fm aufmerksam. Im Mai 2007 wurde Last.fm um 280 Mio. US-Dollar an die CBS Corporation veräußert. Das österreichische Unternehmen PLAY.FM ist ebenfalls ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen (DJ-Mix-)Player im Netz. PLAY.FM startete 2004 als gemeinnütziger Verein und wurde 2008 mit Hilfe von Departure in eine GmbH umgewandelt. Mit über 30000 DJ-Sets weist PLAY.FM monatlich 150000 Besucher auf und platziert sich unter den Top 3 der Streaming-Dienste elektronischer Clubmusik weltweit. Ende Jänner 2011 präsentierte PLAY.FM auf der MIDEM in Cannes seine neuen Apps für iPhone, Android und Windows Phone7 und wurde im rahmen der Musikmesse als einziges, ,innovatives Start-Up aus Österreich nominiert.

Die Konzentration auf Musik in Social Networks ist nach der immer geringer werdenden relevanz von Myspace zurückgegangen. Zwischen 2003 und 2006 war Myspace unumstritten das weltweit wichtigste Social Network und Musik spielte dort eine zentrale Rolle. Heute erfolgreiche KünstlerInnen wie Lily Allen und Arctic Monkeys nutzten Myspace als Sprungbrett für ihre Karriere. 2005 wurde Myspace von Rupert Murdochs News Corporation für 580 Mio US-Dollar übernommen. Kurz danach konnte Myspace seinen Erfolgskurs aufgrund des Konkurrenten Facebook nicht mehr fortsetzen. Der Computer-Gigant Apple versucht sich indes durch sein Social Network „Ping“ in Kombination mit iTunes in Sachen Musik zu positionieren. Bislang wurde jedoch noch kein beachtlicher Erfolg erzielt.

Wer heute Musik im Social Network „sharen“ will, braucht zusätzliche Media-Sharing-Systeme wie zB. YouTube oder Vimeo. Ein nennenswertes, innovatives Musik-Sharing-System ist Soundcloud (soundcloud.com) Seit 2007 kann man via Soundcloud Musik in Social Media präsentieren, downloaden und verteilen. Die UserInnen können direkt bei einem Musikstück ihre Kommentare abgeben und es gleichzeitig bewerten. Soundcloud bietet ebenfalls eine Kauf-Möglichkeit an: Mit der Verlinkung zB. zum iTunes-Store kann man das entsprechende Musikstück auch direkt erwerben. Soundcloud ist auch bei MusikbloggerInnen besonders beliebt. Musikschaffende, ProduzentInnen und Promo-Agenturen versuchen heutzutage ihre Neuerscheinungen via Soundcloud an die MusikbloggerInnen zu vermitteln, in der Hoffnung, von ihnen gepostet zu werden. Je mehr wichtige Blogs gleichzeitig von einem Künstler oder einer Künstlerin berichten, desto weiter werden deren Tracks verbreitet. Ein beliebter Musikblog wie „Consequence of Sound“ weist bis zu 50000 BesucherInnen täglich auf. Die Bedeutung der Musikblogs wächst kontinuierlich. Das Entertainment-Medienunternehmen BUZZ MEDIA kooperiert mit den wichtigsten Musikblogs wie Purevolume, PopMatters, GorillaVsBear, The HypeMachine, Concrete Loop und rcrd LBL, um Investitions-und Werbeverträge zu schließen. Der beliebteste Musik-blog aus Österreich ist „Disco Demonsnet“. Seit 2007 verfasst Jakob Bouchal alias DJ Disco Demons regelmäßig Blogeinträge über internationale und nationale Musikacts. Mit rund 70000 Blog-BesucherInnen monatlich wurden auch einige werbetreibende Unternehmen auf den Blog aufmerksam. Unter anderem auch das „Mog MusicNetwork“(MMN), ein US-amerikanisches Musikmedien-Unternehmen, das auf Werbung in Musikblogs spezialisiert ist. Seit Anfang 2011 ist Disco Demons bei MMN vertreten. Jakob Bouchal unterstützt auch österreichische Musik. Am 1.Dezember 2010 wurde ein Remix-Contest auf Disco Demons gestartet, um die österreichische Band Bunny Lake zu supporten. Das Ergebnis des Wettbewerbs erwies sich als erfolgreich: 33 internationale Remixes wurden in die Bewertung aufgenommen, drei davon wurden veröffentlicht.

Um Erfolge der KünstlerInnen in den verschiedenen Social-Media-Diensten zu analysieren, gibt es Bewertungssysteme. Ein wichtiges davon ist „NextBig Sound“, das die Aktivitäten auf Facebook, You-Tube, Myspace, Twitter, iLike, Wikipedia, Soundcloud, ReverbNation, Pure Volume, Our Stage, Vimeo, Bebo, Amie Street, Jam Legend und Virb verfolgt und analysiert. „Next Big Sound“ ist ein einfaches Tool für JournalistInnen, Musikfans, ExpertInnen und MusikerInnen, um die Bekanntheit von KünstlerInnen innerhalb des Social-Media-Universums zu identifizieren. Anfang Dezember 2010 begann „Next Big Sound“, Daten an Billboards „Social50“-Charts zu liefern – ein Zeichen der immer wichtiger werdenden Social Media.

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